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Es ist halb elf an einem sonnigen Sonntagmorgen in Istanbul und ich wache durch den Lärm eines Straßenhändlers auf, der vor meinem Fenster seine Waren anpreist. Er verkauft frische, mit Sesam überzogene Backwaren, die sieben Schichten hoch auf seinem Kopf gestapelt sind.

Für mich ist es kein echter Sonntag ohne eine richtig gute Bloody Mary und heute bin ich meiner eigenen Kreation auf der Spur – dem Red Sultan. Ich ziehe mich an, packe meine Tasche und mache mich auf den Weg zu meinem üblichen Wochenendritual: Dem Erkunden der einzigartigen Viertel Istanbuls, indem ich esse, trinke und Zutaten für meinen sonntäglichen Cocktail mit europäischen und asiatischen Einflüssen suche.

Ich gehe die Hügel von meiner Wohnung zum Bosporus hinunter, wo ich entlang der Küste nach Balat gehe, einem historisch vielfältigen Viertel, das für seine griechischen, armenischen und jüdischen Einwohner bekannt ist. Am Wochenende ist Balat besonders toll, da die Straßen voll mit Familien sind, die Lebensmittel für die Woche einkaufen, Kindern, die Fußball spielen, und Antiquitätenläden, in denen Leute um wahre Schätze wetteifern. An manchen Sonntagen gehe ich zum Antiquitätenmarkt auf der anderen Seite der Stadt, um Kristallgläser zu kaufen und meine wachsende Sammlung zu erweitern, die ich vor einigen Jahren bei der Vorbereitung auf die Diageo World Class begonnen habe. Als ich damals in Kapstadt angetreten bin, habe ich viele Gegenstände und kulturelle Einflüsse aus Istanbul verwendet, wie zum Beispiel bei meinen Drinks für die Herausforderung „Night & Day“. Mit Goldtönen und lokalen Aromen habe ich die Geschichte einer türkischen Hochzeit erzählt.

Nach einem schnellen Espresso im Kaffee eines Freundes gehe ich weiter in Richtung der Altstadt von Istanbul. An der Küste sind unzählige Picknicker und Boote, die gegrillte Fischsandwiches verkaufen. Ich bin auf dem Weg zum Gewürzbasar, der sich am Fuße der Galata-Brücke befindet und Dutzende von Ständen beherbergt, an denen Seifen, Tees und Nüsse verkauft werden: Der Basar ist ein magischer Ort. Der einfache Zugang zu Gewürzen für Aufgüsse, Tees für Sirupe, getrockneten Früchten zum Garnieren und ätherischen Ölen für Aromen ist eine großartige Möglichkeit, Inspirationen für Cocktails zu finden. Da Alkohol in der Türkei nicht leicht zu bekommen ist, müssen Barkeeper häufig ihre eigenen Versionen von einfachen Wermuts oder Likören unter Verwendung der auf den Märkten verfügbaren Aromen kreieren. In Istanbul ist es sehr üblich, dass die ältere Generation hausgemachte Versionen von Sauerkirsch- und saisonalen Glyzinien-Likören herstellt, um den Hausgästen während der Wintermonate das anzubieten, was als Vişne likoru oder mor salkim serbeti bekannt ist.

Auf dem Gewürzbasar angekommen, gehe ich zu meinem Lieblingsstand Nummer 51, um getrockneten Wasabi und schwarzen Kardamom zu kaufen, den ich für den Red Sultan verwenden werde. Mit den Gewürzen bewaffnet gehe ich zu Fuß über die Brücke zurück nach Karaköy, dem Viertel mit dem besten Nachtleben in Istanbul, in dem in den letzten Jahren Bars, trendige Restaurants und Cafés nur so aus dem Boden geschossen sind. In Bars wie Finn können Gäste hinter die Bar treten und ihre eigenen Kreationen ausprobieren, während sowohl Unter als auch Mitte in der Nähe Sitzgelegenheiten im Freien sowie Cocktails der süß-sauren Art anbieten, die die Einheimischen gern bis in die frühen Morgenstunden trinken. Die dritte Welle der Kaffeekultur hat in Istanbul seit meiner Ankunft einen Boom erlebt und langsam beginnen die Barkeeper auch, mit kleinen Kaffeeröstern zusammenzuarbeiten, um gemeinsam an Cocktails mit Kaffeegeschmack und den perfekten Bohnen für hervorragende Espresso-Martinis zu arbeiten.

Ein Freund ruft mich an und fragt, ob ich mich auf der anderen Seite des Bosporus, dem Gewässer, das Istanbul in zwei Teile teilt, in der entspannten und hipsterfreundlichen Gegend von Kadiköy mit ihm treffen möchte. Also gehe ich an Bord einer Fähre und setze mich im Außenbereich hin. Es regnet Brotstücke, denn die Leute auf dem Oberdeck versuchen, die Schwärme von Möwen zu füttern, die dem großen Holzboot folgen, während es beginnt, vom einen auf den anderen Kontinent zu wechseln.

Kadikoy liegt auf der asiatischen Seite der Stadt und ist bekannt für Pubs, in denen Platten aufgelegt werden, und eine jüngere Kundschaft, die lieber Bier in den kleinen Parks und auf den Stufen alter Gebäude trinkt, die es in der ganzen Nachbarschaft zuhauf gibt. Ich komme an einem Bauernmarkt vorbei, auf dem Büffelmilchjoghurt und Berghonig verkauft werden, und mir fällt ein Stand mit einer Fülle von ägäischen Kräutern und Gemüsen ins Auge. Die Produkte der türkischen Küste strotzen nur so vor einzigartigen Aromen. Einige Pflanzen wie Meeresspargel werden traditionell eingelegt oder mit Olivenöl für kleine türkische Speisen gekocht, aber ich liebe es, ihn frisch zu verarbeiten, um die salzigen Säfte für meine von der Ägäis inspirierten Tanqueray Gin Martinis herauszukitzeln.

Ich mache mich auf den Weg, um meinen liebsten Nachmittagssnack zu mir zu nehmen, Raki Balik, der sich auf das Lieblingsgetränk der Türken, einen starken Anisgeist und einen Tisch mit Mezes (kleinen Speisen) und Fisch bezieht. Diese Kultur kann man am besten bei den Fischhändlern erleben, die direkt an die Abnehmer verkaufen, die den Fisch im Restaurant ihrer Wahl anschließend perfekt zubereiten lassen. Auf dem Kadiköy-Fischmarkt geht es heute ziemlich emsig zu und während wir auf einen Tisch warten, gehe ich in meinen Lieblingsladen für sauer eingelegte Produkte, um mich mit Kapernbeeren einzudecken und mir ein Glas würzig eingelegte Paprikaschoten zu gönnen, eine weitere lokale Delikatesse.

Die meisten Läden für sauer eingelegte Produkte verkaufen die Flüssigkeit zum Einlegen, normal oder würzig, vom Fass und in der Flasche. Besonders köstlich ist sie, wenn sie kalt und mit einem kleinen Schuss Bulleit Bourbon genossen wird. Mir brennt der Mund von zu vielen Jalapeños und gewappnet mit ein paar Beilagen zum Mitnehmen sitzen wir bald an unserem Tisch und beginnen unser Mittagessen. Die Einheimischen haben eine ganz genaue Vorstellung davon, wie Raki zu trinken ist, nämlich so, dass der Raki aus der Flasche entweder direkt oder mit Wasser und Eis in kleine Gläser im Collin-Stil gegossen wird. Diese besondere Art und Weise des Trinkens hat sich in der ganzen Barszene hier verbreitet und die Gäste können sagen, wie viele Eiswürfel sie in ihrem Whiskey möchten oder ob sie ihren Cocktail lieber ohne Eis serviert haben wollen, vielleicht weil sie denken, dass Eis zu Halsschmerzen führt oder aus einem ähnlichen Aberglauben.

Nach ein (oder zwei) Gläschen Löwenmilch, dem türkischen Spitznamen für Raki, geht die Sonne unter und ich nehme wieder die Fähre zurück zur europäischen Seite der Stadt. Mein Rucksack ist jetzt voll und ich gehe zurück zu meinem Haus, um Freunde zu empfangen und den Red Sultan zu machen, auf den ich schon den ganzen Tag Lust hatte. Istanbul ist bekannt für seine Nähe zum Wasser, denn es liegt zwischen dem Schwarzen Meer und dem Marmarameer, sowie für seine hügelige Landschaft. Istanbul ist vieles, aber sicher keine Stadt für Fahrradfahrer, also wandere ich die Hügel von Galata hinauf, vorbei am gleichnamigen berühmten Turm und dann die Istiklal Straße hinunter zu meinem Haus. Istiklal, die größte Fußgängerzone der Stadt, ist das Herz von Istanbul, wo Männer Eiscreme verkaufen und Bekleidungsgeschäfte, Kunstgalerien, Restaurants und Cocktailbars alle miteinander zu verschmelzen scheinen. Die ikonische rote Straßenbahn bahnt sich ihren Weg vorbei an Millionen von Menschen, die zu jeder Tages- und Nachtzeit die Straße auf und ab gehen, und spaltet Menschenmengen genau so, wie der Bosporus die Stadt spaltet.

Obwohl Raki der Favorit bleibt mit den lokalen Pilsenern gleich an zweiter Stelle, ist die Cocktailkultur in der Stadt der sieben Hügel definitiv auf dem Vormarsch. Die lokalen Barkeeper sind unglaublich talentiert und der Zugang zu den Zutaten für die Herstellung hausgemachter Drinks könnte nicht einfacher sein. Barkeeper wie der türkische World Class Finalist Engin Yildiz und sein Team bei Frankie bringen gehobene Küche und Cocktails auf ein neues Level und andere Talente wie Gokhan Kusoglu helfen dabei, Bars in neuen Gebieten zu eröffnen, wie im wunderschönen Perro am Ufer der Nordküste des Bosporus.

Istanbul ist ein seltsamer Ort, nicht Ost trifft West, wie die Reiseführer es gerne vereinfacht darstellen, doch die Seele der Stadt kann als Aufeinandertreffen von Altem und Neuem beschrieben werden. Viertel wie Bebek und Arnavutkoy putzen sich für die schönen Menschen der Stadt raus. Hier scheinen alle paar Wochen neue Nachtclubs und schicke Cocktailbars zu eröffnen, obwohl nur fünfzehn Prozent der Bevölkerung Alkohol konsumieren. Ich mag die kleine Eckbar Lucca, wenn ich abends weggehen und tanzen möchte, denn ihre saisonalen Cocktails waren schon immer mit die besten der Stadt. Ihr Satsuma-Wodka-Cocktail ist zweifellos der berühmteste der Stadt und nutzt diese lokale Zitrusfrucht geradezu perfekt. Kleine Kebab-Läden dienen als Zwischenstopps zwischen den Drinks in Bars mit Dachterrasse und dem Tanzen bis spät in die Nacht. Pferdewagen, von denen aus Melonen und Knoblauch verkauft wird, ziehen durch die verwinkelten Straßen in der Nähe meines Hauses und bieten manchmal auch Zitronen an, mit denen ich Getränke für meine Gäste mache. Die Fähigkeit, durch die Stadt zu wandeln und dabei zu Fuß, mit dem Boot und dem Zug zu reisen, macht es leicht, sich immer wieder aufs Neue in diesen Ort zu verlieben.

Als ich wieder in meinem Haus angekommen bin, bereite ich alles für den Red Sultan vor. Ich nehme dafür meinen bevorzugten Tomatensaft aus der Region her, Atatürk Orman Çiftliği. Er bildet die Grundlage für das Getränk und sein voller und frischer Tomatengeschmack und seine natürliche Dicke tragen dazu bei, dass der Drink nach dem Mischen seine dickflüssige Konsistenz beibehält. Die Zitronen, die ich vorhin gekauft habe, werden in den Saft gepresst und ich benutze einen Mörser, um den schwarzen Kardamom und Wasabi vom Basar zu zerstoßen und die Mischung damit aufzupeppen. Etwas schwarzer Pfeffer und Muskatnuss, ein Hauch würziger saurer Saft vom Fischmarkt und eine Prise Salz sind alles, was ich brauche, um die Basis zu vervollständigen. Ohne einen Schuss Raki ist mein von Istanbul inspirierter Cocktail nicht komplett. Der süße Anisgeschmack gleicht perfekt den umami-reichen Tomatensaft aus. Als meine Freunde ankommen und wir die letzten paar Minuten Tageslicht genießen, ist es schwer zu leugnen, dass die Bloody Mary diese Stadt perfekt repräsentiert. Ein klassischer Drink mit einer Menge kulturellen Einflüssen, am besten in der Sonne zu genießen und vor allem zeitlos, wenn auch nicht jedermanns Sache.

Der Red Sultan


50 ml Ketel One Wodka

90 ml (Atatürk Orman Çiftliği) Tomatensaft

15 ml frisch gepresster Zitronensaft

10 ml Yeni Raki

10 ml würziges, saures Gurkenwasser



Zwei Spritzer Wasabi

Jeweils eine Prise: gemahlener schwarzer Kardamom, Muskatnuss und schwarzer Pfeffer


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