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DIE GESCHICHTE DES ESPRESSO MARTINI

Mit einer Geschichte, die fast so reichhaltig wie das Getränk selbst ist, bereichert der Espresso Martini jede ernsthafte Cocktailkarte. Terry Cashman, Londoner Bartender und Projektleiter bei der auf Drinks und Bars spezialisierten Consulting-Agentur Sweet & Chilli, taucht ein in die Geschichte dieses modernen Klassikers und verrät uns seine goldenen Regeln, um den Cocktail perfekt zu servieren.

Der Espresso Martini ist ein Cocktail, dessen Name mehr als vertraut klingt. Das war aber nicht immer so. Dick Bradsell erfand ihn 1983 während seiner Zeit in der Soho Brasserie und nannte ihn ursprünglich „Vodka Espresso“. Die Cocktail-Legende besagt, dass ein junges, künftiges Supermodel an die Bar kam und Dick bat, einen Cocktail mit Kaffee für sie zu machen. Er mixte ihr einen Drink aus Wodka, Zucker, Kaffeelikör und einem Schuss Espresso direkt aus der Kaffeemaschine neben seiner Station. Diese Geschichte half, dem Drink einen eigenen Charakter zu verleihen, den viele moderne Cocktails nicht reproduzieren konnten. Dick war in jenem Jahrzehnt die Lichtgestalt der Londoner Barszene und vielleicht kennst Du auch seine anderen Kreationen: Bramble, Russian Spring Punch und Treacle.

Schon bald wurde der Cocktail während Dicks Zeit in der Londoner Bar The Pharmacy zu „Pharmaceutical Stimulant“ und dann wieder zu „Vodka Espresso“ umbenannt, als Dick zum leitenden Bartender der Match Bar EC1 wurde. Drinks entwickeln jedoch auch ein gewisses Eigenleben, wenn sie erst einmal populär geworden sind. Und die Tendenz in den späten 90er Jahren, allem, was in einem Martiniglas serviert wurde, ein „Martini“ anzuhängen (Chocolate, Watermelon, Apple – Du hast die Wahl), führte dazu, dass er schon bald als Espresso Martini ins öffentliche Bewusstsein einging.

Der perfekte Espresso Martini

Der perfekte Espresso Martini war die allererste Kreation von Dick. Zeitgemäß, komplett originell, spontan und einzigartig. ABER mit diesem Rezept und fünf wichtigen Regeln kommen wir dem Original schon verdammt nahe:

40 ml Smirnoff No. 21 Vodka

20 ml Kaffeelikör

25 ml Frischer Espresso

5 ml Zuckersirup (Optional)

ZUBEREITUNG

Alle Zutaten kräftig mit Eiswürfeln schütteln und doppelt in eine gekühlte Coupette abseihen. Mit drei Kaffeebohnen garnieren.

15,07 g Alkohol* (den ml-Angaben des Rezepts entsprechend)

Regel 1: Frischer Espresso

Ich kann nicht genug betonen, wie wichtig ein hochwertiger, perfekt zubereiteter Espresso-Shot für diesen Cocktail ist. Der Kaffee darf leicht abkühlen; auf diese Weise entsteht keine zu starke Verwässerung durch schmelzendes Eis in zu heißer Flüssigkeit. Aber denk bitte daran, dass Kaffee bereits beim Mahlen zu oxidieren beginnt. Und das solltest du möglichst verhindern, da durch diesen Vorgang der Geschmack bitter wird. Wenn du überlegst, ob du lieber eine Röstung aus Guatemala oder aus Äthiopien verwendest, gibt es genau eine wichtige Regel: Wähle genau den Kaffee, den der Gast mag! Wenn Dein Gast einen dunklen, nussigen Kaffee schätzt, wird er den auch in seinem Espresso Martini lieben.

Regel 2: Kräftig shaken

Der Teil, der einen wahrhaft guten Espresso Martini ausmacht, ist die Crema – die schaumige, seidige Schicht dicht aneinander gereihter Schaumblasen, die oben auf dem Cocktail liegt und durch die der Gast den Rest seines Drinks genießt. Die natürlichen Öle im Kaffee müssen sich mit den Luftblasen vereinen, um diesen delikaten Schaum zu bilden. Und das funktioniert am besten durch die Zufuhr von Luft beim Shaken.

Regel 3: Zucker je nach Belieben

Nicht jedermann trinkt seinen Kaffee mit Zucker. 5 ml Sirup sind für die meisten Gaumen ausreichend, doch wenn der Gast seinen Kaffee lieber stark im Geschmack wünscht, kannst Du den Sirup auch weglassen. Andererseits kannst Du natürlich auch etwas mehr nehmen. Der perfekte Espresso Martini ist immer der, den Dein Gast am meisten genießt.

Regel 4: Hochwertigen Wodka verwenden

Als anteilsmäßig wichtigster Bestandteil spielt Wodka eine essentielle Rolle im Espresso Martini. Du benötigst einen hochwertigen Wodka, der dem Kaffee Paroli bietet und dem Aromaprofil mehr hinzuzufügen hat als nur alkoholische Stärke. Der klare Geschmack von Smirnoff No. 21 mit seinen subtilen Pfeffernoten ist eine perfekte Wahl für den Espresso Martini.

Regel 5: Die Präsentation macht den Unterschied

Heutzutage wird ein Espresso Martini eher selten in einem echten Martiniglas serviert, da die Kurve am Rand einer Coupette viel besser geeignet ist, um die Crema zu präsentieren, und das bis zum Rand gefüllte Glas weniger schnell überläuft. Dick hätte den Drink so im Original sicher nicht serviert, aber Fortschritt und Veränderung bringen manchmal auch etwas Gutes mit sich. Eine Tradition, die wir jedoch nicht vernachlässigen sollten, ist die Garnitur. Drei Kaffeebohnen, die vorsichtig auf der Crema in Blütenform arrangiert werden, ergänzen gekonnt das herrliche Kaffeearoma des Cocktails.

Espresso Martinis mit Twist

Abgesehen vom Klassiker gibt es eine Menge Möglichkeiten, wie Du Deinem Espresso Martini einen Twist verleihen kannst. Als Anregung zeige ich dir hier einige meiner Favoriten.


Flat White Martini

Mit etwas Baileys ist der Drink noch verführerischer und wird zu einer perfekten Alternative zum Dessert.

50 ml Baileys Original

25 ml Smirnoff

25 ml Espresso

ZUBEREITUNG

Alle Zutaten mit Eiswürfeln schütteln und in ein Martiniglas abseihen. Mit 3 Kaffeebohnen garnieren.

14,1 g Alkohol* (den ml-Angaben des Rezepts entsprechend)

Cuppa Joe

Das ist die perfekte Upselling-Option zum klassischen Rezept. Ketel One verleiht dem Drink feine Zitrusnoten, die hervorragend zu einem reichhaltigen, aromatischen Espresso passen.

35 ml Ketel One Vodka

35 ml Frischer Espresso

35 ml Haselnusslikör

ZUBEREITUNG

Alle Zutaten kräftig mit Eiswürfeln schütteln und doppelt in eine gekühlte Coupette abseihen. Mit einer Zitronenzeste garnieren.

15,07 g Alkohol* (den ml-Angaben des Rezepts entsprechend)

(*Ein Standard-Cocktail enthält im Schnitt ungefähr 8 g Alkohol)